Konzeptverfahren „Bestellung eines Erbbaurechts für bezahlbares, bedarfsorientiertes Wohnen in Connewitz“
Leipzig, 2021
Kompetenzen
Architekt Martin Faßauer
Benjamin Voigt (M.Sc. Architektur)
Lena Schneider (M.A. Architektur)
Arian Wonneberger (M.A. Architektur)
Konzept
Im Rahmen des Konzeptverfahren für die „Bestellung eines Erbbaurechts für bezahlbares, bedarfsorientiertes Wohnen in Connewitz“ der Stadt Leipzig, entstand das Konzept für das Projekt „Heinze 29“. Der Stadtteil Connewitz erlebt in den letzten Jahren stadtbauliche Umwälzungen, die gegensätzlich zu den Gegebenheiten im Viertel stehen. Es entsteht Wohnraum, der sich von der Nachfrage des Quartiers separiert und den Merkmalen einer „filtering down“ Wohnungsbaupolitik ähnelt. Wichtige Flächen für eine sozial verträgliche Stadtentwicklung wurden dem Stadtteil entzogen, sodass Raum für sozialen Wohnungsbau immer rarer wurde. Der verstärkte Erwerb von Bauflächen durch die Stadt Leipzig und die anschließende Vergabe nach Konzept befürworten wir aus baupolitischer Sicht nachdrücklich, auch im Namen unseres Partners EDEKA. Wir sind davon überzeugt, dass hier Grundsteine für eine neue Wohnungsbaupolitik in Leipzig gelegt werden und das Projekt auf der Heinze 29 als Blaupause für weitere Verfahren dieser Art dient.
Um so ein Projekt nachhaltig in Connewitz zu verankern, benötigt man von Anfang an die Unterstützung der Menschen vor Ort. Ein partizipativer Ansatz im Entwerfen und auch darüber hinaus ist ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit. Deshalb haben wir kurz nach der Veröffentlichung der Auslobung den Kontakt zu lokalen Akteur*innen gesucht und dabei eine Gesprächsrunde initiiert. Dieser Austausch soll im Falle eines Zuschlags weiter fortgeführt und ausgeweitet werden. Die Weiterentwicklung des Projektes soll weiterhin auf Augenhöhe und im engen Austausch mit Menschen vor Ort geschehen. Für bestimmte Ausgestaltungen des Gebäudes und der öffentlich zugänglichen Freiflächen, sollen Workshops abgehalten werden bei denen jeder teilnehmen kann, um eine sozial verträgliche Entwicklung des Quartiers nachhaltig zu etablieren. Aufgrund dieses ständigen Austausches mit Akteur*innen vor Ort, ist unser Konzept als temporärer Entwurfsstand zu verstehen.
Das Gebäude fügt sich gemäß dem Bebauungsplan aus dem Jahr 2000 in die vorgesehene Blockrandschließung ein und wird über die „Variante B“ neben dem Flurstück 266 erschlossen. Im Süden wird ein Innenhof ausgeformt in dem die Erschließung des Quartiers integriert ist und die Fahrradstellplätze der zukünftigen Bewohner*innen zu finden sind. Am Eingang der Einfahrt befindet sich eine einspurige Zufahrt zur Tiefgarage. Die frei gewordenen Flächen von „Variante A“ nutzen wir dazu, das Gebäude nahezu lückenlos an den Herderpark zu integrieren. Die Baulinie im nordwestlichen Bereich wurde eingehalten und bietet der großen Eiche genügend Raum. Dabei entsteht eine platzbildende Ecksituation, die gleichzeitig den Haupteingang zum Gebäude bildet. Auf den weiteren Flächen dieses Vorplatzes können wir uns einen Verbleib der Atacolypse als „fliegender Bau“ vorstellen. Die Ausgestaltung für den „Platz unter der Eiche“ wird Bestandteil eines Workshops sein. Eine weitere platzbildende Ecksituation entsteht an der nordöstlichen Ecke des Grundstückes und dient als Katalysator von Herderpark – der Heinze29 – und dem Kronengarten. Neben dem zweiten Fluchttreppenhaus und dem Zugang zum öffentlichen Bereich der Heinze29, entsteht eine Fläche zur freien Gestaltung durch die Connewitzer Bevölkerung. Die offen gelegene Fluchttreppe, dient nicht nur als zweiter Fluchtweg für die Sozialwohnungen, sondern verbindet bis in das Dachgeschoss einen der wichtigsten Bereiche des Neubaus - der Heinzeturm. Geplant ist ein öffentlicher, überdachter Bereich, der die Kubatur des Gebäudes weiterzeichnet, jedoch in seiner Nutzung völlig offen ist. Grundsätzlich handelt es sich um einen Rohbau, der von den Menschen in Connewitz noch angeeignet werden muss. Vorstellbar ist eine Organisation der vier Geschosse durch einen Mieter*innen Verein der Anwohnerschaft der Heinze29. Vorstellbar sind: Konzerte, Lesungen, temporäre Einbauten, Begegnungsorte oder schlichte Aufenthaltszonen mit Blick in den Park. Auch die konkrete Ausgestaltung des Platzes „Am Heinzeturm“ und der einzelnen Geschosse des „Turmes“ wird Bestandteil eines weiteren Workshops sein.
Die südliche Baugrenze überschreiten wir im Bereich des Erdgeschosses. Die oberen Geschosse befinden sich auf der vorgesehenen Baugrenze des Bebauungsplanes. Zur Finanzierung des Projektes sieht unser Partner EDEKA einen Einzelhandelsmarkt auf den Flächen im Erdgeschoss vor. Das Sortiment soll auf die lokalen Bedürfnisse abgestimmt sein, um nicht in Konkurrenz mit den anliegenden Spätis „Schwan“ oder „Lazy Dog“ zu stehen. Der Einzelhandelsmarkt wird den Großteil des Erdgeschosses einnehmen, um den Bau des Gebäudes, der Außenanlagen und der Sozialwohnungen zu finanzieren. Wir haben den Anspruch die gesamte Wohnfläche in den oberen Stockwerken für Sozialwohnungen zur Verfügung zu stellen. Dabei haben wir unser Augenmerk auf kleine und große Wohnungen gelegt. Jedes Geschoss bekommt dazu noch eine Gemeinschaftsfläche mit Küche und WC. Die Gestaltung der Gemeinschaftsflächen wird ebenfalls Bestandteil eines Workshops sein.
Das Gebäude basiert auf einem 3x3m Rastersystem, welches sich auf die Baukonstruktion, die Fassade und auf die Organisation der Räume auswirkt. Die Gebäudeteile sind durch eine Brandwand getrennt. Das Erdgeschoss wird als Stahlbetonskelettbau ausgeführt. Die Öffnungen zum Park und zur Straße werden mit einer widerstandsfähigen Profilglasfassade versehen, wodurch wir aufgrund ihrer guten Dämmeigenschaften auf weitere Dämmung des Erdgeschosses verzichten können. Die Verbreiterung des Erdgeschosses nach Süden wird geschlossen gehalten, da sich dahinter die Nebenräume und Lager des Einzelhandelsmarkt befinden. Über dem Lager wird das Dach extensiv begrünt. Das Erd- oder Sockelgeschoss ist wie in den anliegenden Straßen überhöht. Der darüber folgende Geschosswohnungsbau wird in Holz ausgeführt. Durch eine Holzskelettbauweise im Bereich der Fassaden und einem Stützen-Binder-System im Bereich des Innenraumes, soll durch das 3x3m Raster eine flexible Raumaufteilung entstehen. In der Fassade wird der Holzskelettbau wie bei einem Fachwerk im Außenbereich sichtbar bleiben. Die großen 3x3m Rahmen ordnen nicht nur die Fassade, sie bilden ebenfalls das Tragsystem der oberen Stockwerke ab. Dabei wird die eigentliche Fassade 1,20m von der Gebäudeaußenkante zurückgesetzt und im frei gewordenen Bereich mit einem gerüstartigen Balkonsystem wieder auf Flucht gebracht und läuft ohne Unterbrechung an den Fassaden entlang. Dadurch hat jede Wohneinheit einen Balkon. Die durchlaufende Balkonebene um das Gebäude herum funktioniert als halböffentliche Übergangszone zwischen Wohnraum und Außenraum. Dies soll nicht nur die Kommunikation zwischen den Bewohner*innen fördern, sondern auch eine Verbindung zwischen Park und Gebäude herstellen. An den Balkonfassaden ist aufgrund ihrer Abkopplung von der Holzfassade auch eine umfangreiche Individualbegrünung möglich. Auch die Farbgestaltung der Fassade soll im Rahmen eines Workshops in Abstimmung mit den etwaigen Ämtern ermittelt werden. Die farblichen Darstellungen in den Plänen sind somit von symbolischem Charakter. Die Wohnungen in den jeweils letzten Vollgeschossen sind als Maisonette ausgeführt, die in das Dachgeschoss führen. Das Dach führt die sichtbare Holzkonstruktion der Fassade fort und bildet aller 3 Meter gemäß des Rasters Dachterrassen aus, die mit einer an der Sparrenneigung angepassten Brüstung als moderne Interpretation des „Leipziger Daches“ verstanden werden sollen. Alle Sozialwohnungen in den obersten Geschossen besitzen dadurch auf ihrer gesamten Länge Dachterrassen. Dadurch entstehen im gesamten Gebäude Wohnungen mit einer hohen Aufenthaltsqualität. Die horizontalen Dachflächen des Leipziger Daches werden begrünt und mit Photovoltaikanlagen versehen.
Werkstattverfahren Kohlenstraße am Bayerischen Bahnhof
Leipzig, 2019
Kompetenzen
Architekt Martin Faßauer
Angélique Philipp (M. Sc. für Architektur)
Sascha Jecht (M. Sc. für Architektur)
Konzept
Im Werkstattverfahren „Wohnen am Bayerischen Bahnhof in Leipzig“ der Stadtbau AG konnten wir den zweiten Platz gewinnen.
Das Verfahrensgebiet liegt zwischen einem neu geplanten Stadtteilpark im ehemaligen Gleisbereich des Bayerischen Bahnhof und einer beinahe geschlossenen gründerzeitlichen Bebauung der Südvorstadt. Der erarbeitete Entwurf nimmt Bezüge aus den angrenzenden Stadtteilen auf und interpretiert diese neu. Besonderer Wert wird dabei auf die Errichtung eines lebendigen Wohnquartiers gelegt, bei dem städtebauliche Räume mit hoher Aufenthaltsqualität für die Anwohner und für die Öffentlichkeit geschaffen werden. Städtebaulich markante Sicht- und Blickbeziehungen sollen dabei erhalten und durch die Baukörperstellung sinnvoll ergänzt und gestärkt werden.
Die Architektur wird in einer zeitgemäßen, individuellen und dem Standort angemessenen Sprache entwickelt. Auf dem Realisierungsteil werden vier Baukörper angeordnet. Die beiden äußeren, das Gebiet begrenzenden Gebäude (Nr. I und Nr. IV) nehmen die Blickbeziehungen aus der Paul-Gruner-Straße und der Shakespearestraße auf und schaffen individuelle Sichtachsen in den Stadtteilpark. Sie bilden einen jeweils markanten städtebaulichen und architektonischen Abschluss. Dazu trägt der diagonal ansteigende Dachabschluss mit seinen Hochpunkten an den äußeren Seiten des Gebietes bei. Die Gebäude bilden den Rahmen für die beiden Baukörper im Zentrum. Diese Gebäude (Nr. II und Nr. III) sind in ihrem städtebaulichen Maßstab villenartiger angelegt. Dazu trägt der Versatz der beiden Baukörper zueinander bei. Durch die Ausbildung eines Staffelgeschosses in jeweils unterschiedlicher Tiefe ist die Traufe zudem deutlich niedriger als bei den randabschließenden Gebäuden im Bereich der kreuzenden, vorgenannten Querstraßen. Der Versatz der Gebäude zueinander schafft zudem interessante Blickbeziehungen im städtebaulichen Sinne auf die gestaffelten Baukörper, aber auch im individuellen Sinne aus den Gebäuden sowohl in den Park, als auch auf die großzügigen vorgelagerten Grünflächen, die den Charakter eines Stadtpalais erzeugen.
Die Nutzungskonzepte leiten sich direkt aus der angelegten städtebaulichen Strukturierung des Verfahrensgebietes ab. Sie sind für jedes Gebäude individuell. So sind in den abschließenden markanten Baukörpern (Nr. I und Nr. IV) die Anlegerwohnungen angeordnet. Die Gebäude sind bewusst kompakter in ihrer Bauart und beherbergen die wenigen, aber präsent positionierten Gewerbeeinheiten. So wäre beispielsweise am Schnittpunkt zwischen Realisierungsteil und Ideenteil im Bereich der Zuwegung zum Stadtteilpark ein kleines Café denkbar. Durch die auskragende Gebäudeecke und ihrer Lage im Nordosten des Baukörpers wird der mögliche Gastronomiebereich besonders gut wahrgenommen und zusätzlich baulich geschützt. Aufgrund der gestaffelten Baukörperstellung der Gebäude im Ideenteil ist ein Blick auf den Bayerischen Bahnhof möglich. Reminiszenzen historischer Bahnhöfe und Bahnanlagen bilden die als Raumgerüst / Raumtragwerk angelegte Deckenstruktur im Inneren und im vorgelagerten Bereich dieser repräsentativen Einheit und lassen zeitgemäße Architektur und historischen Standort miteinander verschmelzen. Gleiches gilt in abgewandelter Form für die geplante Gewerbeeinheit im Gebäude Nr. IV. Diese befindet sich im südwestlich ausgerichteten Teil des Bauwerks und ist somit auf der „urbanen“ Seite an der Kohlenstraße gelegen. Auf diese Weise wird die im historisch geprägten Stadtgebiet der Südstadt übliche Lage der Ladenlokale an Kreuzungspunkten der gründerzeitlichen Architektur aufgenommen und neu interpretiert.
Zweistufiger städtebaulicher Realisierungswettbewerb
Giebelstadt, 2024
Kompetenzen
Franziska Michl (Architektin Dipl.-Ing.)
Leonie Kübert (M.A. Architektur)
Maria Sophie Kimm (M.A. Architektur)
Konzept
Das Plangebiet Giebelstadt gliedert sich in drei Bauabschnitte, welche jeweils von Nord nach Süd realisiert werden sollen. Im zentralen Bereich verbunden werden diese durch ein grünes Parkband, als übergeordneter Freiraum. Es entsteht ein stark durchgrüntes Quartier, das höchsten stadtklimatischen und ökologischen Anforderungen genügen soll. Die baulich kompakt entwickelten Inseln formen sich selbstverständlich aus den Gegebenheiten des Ortes heraus und bilden mit ihren Nachbarschaftshöfen lebendige Treffpunkte im Quartier. Jede Insel setzt sich aus verschiedenen städtebaulichen Typologien zusammen, wodurch ein Mix diverser Wohnformen angeboten wird. Das Wohnen im Grünen wird für vielfältige Lebensentwürfe mit unterschiedlichen Anforderungen an Wohn- und Freiraum möglich gemacht. Die Bebauung wird zu den Rändern des Quartiers hin schützend und robust angelegt; in Form von Mehrfamilienhäusern. Nach Innen und nach Süden hin wird die Bebauung kleinteiliger und niedriger, gestaltet aus Reihenhäusern, Einfamilienhäusern und Tiny Häusern. Zum neuen Quartiersplatz als Erweiterung des Entrées im Südwesten, akzentuiert das Quartierszentrum als Sonderbaustein die Neue Mitte.
Das Parkband fungiert als aktives grünes Band und bildet eine öffentliche Wegeführung durch das Quartier. Für die vielfältigen Wohnformen bildet der Park eine Art Rückgrat als ökologische Ausgleichs - und Naherholungsfläche. Er fungiert für die Vielzahl an unterschiedlichen Nutzern als gemeinschaftlicher Treffpunkt und Ort des Netzwerkens.Innerhalb der Grünen Achse wird ein blaugrünes Netz angelegt. Zum einen dienen Retentionsbecken dazu, das öffentliche Kanalnetz im Falle eines Starkregenereignisses zu entlasten und das Quartier bei Hitze natürlich zu kühlen. Zum anderen stellen Baumrigolen, als wasserrückhaltefähige Pflanzgrube, eine Verbesserung des Mikroklimas dar. Überschüssiges Niederschlagswasser kann durch die Rigolen gespeichert und abgeleitet werden. Diese Retentionsbänder tragen wesentlich zur Kühlung des Quartiers bei und bieten durch ihren extensiven Charakter biodiverse Rückzugsräume.
Mit dem besonderen Fokus auf Verkehrs- und Freiraum kann die klimagerechte Erweiterung des Ortskerns mit umweltverträglicher Mobilität vereint werden. Als wichtigste Bausteine zur Umsetzung des autofreien Quartiers dienen des Weiteren drei Mobility Hubs: hier werden verschiedene Mobilitätsangebote verknüpft. So kann der Verkehr entlastet und der Umstieg auf nachhaltigere Mobilitätsformen ermöglicht werden.
Zweistufiger städtebaulicher Realisierungswettbewerb
Leipzig, 2023
Kompetenzen
Franziska Michl (Architektin Dipl.-Ing.)
Leonie Kübert (M.A. Architektur)
Alexander Kempf (Architekt M.Sc.)
Arian Wonneberger (M.A. Architektur)
Konzept
Das Matthäikirchhofareal in Leipzig, eines der ältesten Gebiete der Stadt, soll in einen zukunftsfähigen und nachhaltigen innerstädtischen Stadtbaustein umgewandelt werden. Ziel ist es, die historischen Überlagerungen angemessen zu berücksichtigen und den monolithischen DDR-Gebäudekomplex, der heute das Areal dominiert, in das neue Quartier zu integrieren.Das Areal wird in drei Bereiche unterteilt: die "Wohn- und Geschäftszone" im Norden, der "Forum- und Quartiersplatz" in der Mitte und das "Archiv- und Museum Runde Ecke" im Süden. Eine barrierefreie Nord-Süd-Achse verbindet diese Bereiche miteinander, während eine Ost-West-Verbindung die gesamtstädtische Vernetzung sicherstellt. Der Quartiersplatz bildet das Zentrum und wird durch den Forumsneubau, das Archiv und den Erweiterungsbau der Großen Fleischergasse 12 umrahmt.
Das "Forum für Demokratie" fungiert als zentraler Anlaufpunkt und beinhaltet Auditorium, Ausstellungsflächen, Büros, ein Forumscafé und einen Dachgarten. Das Stasi-Aktenarchiv erhält einen Erweiterungsbau, der die Fassade zum Quartiersplatz als "Leinwand" nutzt. Ein Ausstellungsbalkon bietet Aussichtsplattform, Museum, Kulturcafé und Erinnerungsstätte. Das Bestandsgebäude wird revitalisiert und um ein Aktivitäts-Gründach erweitert. In den Sockelgeschossen finden sich Dienstleistungen, Kleingewerbe und Co-Working-Spaces. Der nördliche Bereich ist für sozialdurchmischtes Wohnen und verschiedenste kulturelle und soziale Einrichtungen vorgesehen.
Das Areal wird mit Grünraumstrukturen aufgelockert, um Hitzeanpassung und Aufenthaltsqualität zu verbessern. Stadtklimaverträgliche Bäume säumen die Wege, und die schmalen Gassen erhalten Fassadenbegrünungen. Der Quartiersplatz wird von einer dichten Baumreihe im Norden gerahmt und bietet Platz für Veranstaltungen. Ein Brunnen sorgt für ein kühlendes Stadtklima. Die Innenhöfe der Wohngebäude werden begrünt, und die Dächer des Forums und der Werkhöfe bieten erhöhte Aufenthaltsflächen mit Blick auf den Platz und den Promenadenring. Alle Dächer werden nachhaltig genutzt und laden zum Zusammenkommen ein. Das gesamte Quartier ist autofrei, lediglich Rettungsdienste haben Zugang. Neubauten sollen vornehmlich in Holzbauweise ausgeführt werden, um die ökologische Nachhaltigkeit zu fördern.
Zweistufiger städtebaulicher Realisierungswettbewerb
Leipzig, 2024
Kompetenzen
Franziska Michl (Architektin Dipl.-Ing.)
Alexander Kempf (Architekt M.Sc.)
Sara Müller (Dipl.-Ing. FH)
Maria Sophie Kimm (M.A. Architektur)
Konzept
Das städtebauliche Projekt am nordöstlichen Stadtrand von Leipzig schafft ein lebendiges und grünes Quartier, das den Übergang zwischen Stadt und Landschaft harmonisch gestaltet. Dabei vereint es ökologische Nachhaltigkeit, soziale Vielfalt und städtebauliche Funktionalität. Das Quartier setzt auf eine Mischung aus Wohnen, Gewerbe und öffentlichen Räumen, um Monostrukturen zu vermeiden und eine nachhaltige, urbane Umgebung zu fördern.
Das Quartier gliedert sich in vier Hauptbaufelder, die durch eine ringförmige Verkehrsachse und eine zentrale Grünachse verbunden sind. Urbane Plätze wie der Stadt-, Bildungs- und Generationenplatz schaffen Begegnungsräume. Eine robuste Bebauung schützt das Quartier vor Lärmemissionen der Bundesstraße, während sich die Bebauung nach Nordosten hin öffnet und von einem begrünten Lärmschutzwall flankiert wird. Verschiedene Wohntypologien, darunter Cluster- und Mehrgenerationenwohnen, bieten flexible Lösungen für diverse Lebensmodelle. Wohnhöfe mit Gemeinschaftsflächen fördern Nachbarschaft und Zusammenhalt. Urbane Räume wie Markthalle, Bibliothek und Kulturcampus bilden das Zentrum des Quartiers und sind ergänzt durch soziale und gewerbliche Nutzungen.
Das Konzept einer „Waldsiedlung“ integriert die Gebäude in eine grüne Umgebung mit extensiv begrünten öffentlichen und privaten Freiräumen. Ein Parkband verbindet die Baufelder und sorgt durch Wasserflächen und Retentionsbänder für Kühlung und Biodiversität. Schattenspendende Stadtmöbel und Spielplätze beleben die Gemeinschaftsflächen. Das Prinzip der Schwammstadt regelt das Wassermanagement, unterstützt durch Gründächer mit Photovoltaikanlagen. Ein nachhaltiges Mobilitätskonzept setzt auf Quartiersgaragen an den Zufahrten, autonome Shuttles und Mobilitätsstationen. Das Quartier ist weitgehend autofrei und flexibel an zukünftige Anforderungen anpassbar.
Innovative Ansätze wie Unterflursysteme und Kompostierung fördern Ressourcenschonung. Photovoltaikanlagen und ein Nahwärmenetz gewährleisten eine emissionsfreie Energieversorgung. Das Quartier folgt dem Cradle-to-Cradle-Prinzip und integriert Material- und Energiekreisläufe in die Planung. Mit seinem ganzheitlichen Ansatz verbindet das Quartier Wohnen, Natur und urbane Funktionalität zu einem zukunftsorientierten Lebensraum mit hoher Lebensqualität.
Offener zweiphasiger interdisziplinärer Planungswettbewerb
Leipzig, 2025
Kompetenzen
Franziska Michl (Architektin Dipl.-Ing.)
Maria Sophie Kimm (M.A. Architektur)
Konzept
Für das „Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation“ in Halle (Saale) wird ein neuer städtebaulicher Impuls gesetzt: Auf einer verkehrsgeprägten „Insel“ entsteht ein offener Zukunftscampus, der den Riebeckplatz neu definiert und den umliegenden Stadtraum aufwertet.
Der Riebeckplatz wird zu einem leistungsfähigen urbanen Verkehrsknoten („Super-Hub“) weiterentwickelt. Die bestehende Hochstraße wird zurückgebaut; neue Rad- und Fußgängerbrücken schaffen direkte, barrierefreie Verbindungen. Der bisherige unterirdische Bereich wird zu einer spiegelnden Wasserlandschaft umgestaltet. Südlich entsteht ein urbaner Stadtpark.
Der Entwurf kombiniert eine klare, effiziente Kubatur mit differenzierten Höhen, begrünten Dachflächen und einem markanten Wissenschaftsturm. Erhaltene Bäume formen das zentrale Atrium, das als Herz des Campus fungiert. Das Gebäude ist als nachhaltiges Low-Tech-Holzbauwerk geplant – mit flexiblen Grundrissen, mehrschichtiger Fassade, natürlicher Belüftung, Verschattung und integrierten Solarmodulen. Der Energiebedarf wird reduziert und ein angenehmes Raumklima geschaffen.
Das Wettbewerbsgrundstück wird fast ebenerdig als grün-blau strukturierte Insel gestaltet, mit Sportflächen, Promenaden, Retentionsbereichen für Starkregen, Biodiversitätsdächern und reduzierten versiegelten Flächen. Neue Verbindungen schaffen bessere Anbindungen zur Innenstadt.